Manchmal müssen wir alleine sein,…

… um herauszufinden, wer wir sind und was wir vom Leben wollen.

Und alleine war ich die letzten 10 Tage. In einem Vipassana meditation center. Kein Internet, keine Kommunikation nach außen oder unter den anderen „Gefangenen“. Erlaubt war rumsitzen und nichts tun (oder halt meditieren). Als mir Freunde davon im Januar erzählten, dachte ich, wie jeder andere am Tisch, wie man das 10 Tage lang aushalten soll. Fünf Tage, klar. Sieben Tage, vielleicht. Aber 10? Das klang auf jeden Fall nach einer Herausforderung. Und das war es auch. Vor allem, weil ich bereits am ersten Tag herausgefunden habe, dass ich nicht wirklich an der Meditationstechnik an sich interessiert war (Ich fürchte dafür bin ich nicht spirituell genug). Aber ich mochte die Idee offline zu sein und alleine mit meinen Gedanken. Nur um zu sehen, welche Gedanken zum Vorschein kommen. Aber, ohne alles vorwegzunehmen: Ich habe weder inneren Frieden gefunden, noch habe ich mich „gerade gerückt“. Vermutlich, weil ich das alles bereits davor war. Ich habe auch keine vergrabenen Kindheitserinnerung zum Vorschein gebracht, wie andere es berichteten. Aber ich habe ein paar andere Dinge herausgefunden:

  1. Offline gehen, fühlt sich komisch an. Die Welt hätte untergehen können, ohne, dass wir es mitbekommen (und das Scenario war nicht ganz unrealistisch, haben wir zumindest noch erfahren, dass Trump tatsächlich Präsident wird).
  2. Dann tatsächlich offline sein, fühlte sich aber gut an. Seitdem Smartphones erfunden wurden, können wir eigentlich nicht mehr ohne sie. Wir haben DEN Messenger installiert und DIE App und ehe wir uns versehen, gehen wir die Straße entlang, schauen auf unser Handy und laufen in den nächsten Pfeiler (oder den nächsten Smombie -> Smartphone-Zombie). Wo immer wir hingehen, Nachrichten und Anrufe kommen mit uns. Und dann fühlen wir uns gestresst, direkt zu antworten, was den anderen stresst, das selbe zu tun. Und wenn wir keine Nachrichten bekommen, dann stressen wir uns, warum uns keiner schreibt. Wir können nicht gewinnen… Und ich sage nicht, dass ich jetzt für immer offline sein will, aber es war definitiv eine gute Erholung.
  3. Nicht ständig abgelenkt sein (vom Internet im Generellen, nicht nur mobile), schärft definitiv die Konzentration. Mit Internet ist man ständig nochmal dort was checken und dort und kann sich nicht wirklich auf eine Sache konzentrieren. Von daher hoffe ich, dass ich von der Konzentration ein bisschen was ins wahre Leben mitnehmen kann.
  4. Wenn es nicht erlaubt ist zu sprechen, zu lesen, zu schreiben oder Sport zu machen, dann fühlt man sich nicht mehr schlecht, wenn man schläft. Am ersten Tag habe ich gleich mal die 4 – 6 Uhr Meditationseinheit verpennt. Die Ohropax, die das Schnarchen meines Mitbewohners unterdrücken sollten, haben auch den den Gong am Morgen verstummen lassen. Da es keinen gestört hat, dass ich in der Zeit geschlafen habe, habe ich das die ersten Tage durch alle Einheiten gemacht, wo meditieren im eigenen Zimmer erlaubt war (Das war dann auch der Moment, wo ich feststellte, dass ich nicht wirklich am Lernen der Technik interessiert war). Und normalerweise hätte ich mir nicht erlaubt, zwei Tage fast durchzuschlafen, auch wenn das lediglich mein Körper ist, der sich die Erholung holt, die er braucht.
  5. Ohne Uhr, verliert man irgendwann die Zeit. Nach vier, fünf Tagen wusste ich nicht mehr, welcher Tag heute ist, geschweige denn, welches Datum.
  6. Meine Gedanken waren meistens in englisch, aber ab und an kam auch mal Deutsch durch.
  7. Herausgefunden habe ich auch, dass sowie man nicht mit einander spricht, deine „Mitinsassen“ nur Körper sind. Nach fünf Tagen ist einer aus meinem Schlafsaal ausgezogen und ich hätte nicht genau wiedergeben können, wie er aussah. Auch fiel das sich in Grüppchen zusammensetzen im Speisesaal weg.

Ich denke, ich wusste vorher bereits, wer ich bin und was ich vom Leben will. Für den Moment habe ich heute dann endlich meinen Rückflug gebucht, um in drei Tagen Australien zu verlassen und einen Tag später in Deutschland anzukommen. Und dann werde ich ab Januar einen neuen Job anfangen und schauen was das Leben so bringt. Ich hab sicher ein paar Ideen und Wünsche im Kopf, aber ob das am Ende auch so kommt, werde ich – wie immer – auf dem Weg herausfinden.

P.s: Liebe Omi, da ich an deinem Geburtstag weder Internet noch Handy hatte, an dieser Stelle alles Liebe und Gute nachträglich :).

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