Warum ich keine Farmarbeit machen möchte

Meine Familie will nicht wirklich, dass ich nach Hause komme (Ich weiß, sie meinen es gut). Wann immer ich das Thema erwähne, erwähnen sie, dass ich doch einfach Farmarbeit machen kann, um ein zweites Jahr hier in Australien ranzuhängen.

Aber hier sind die Gründe dagegen:

  1. Man arbeitet durchgängig

Um ein zweites Working & Holiday Visa zu beantragen, muss man 88 Tage Farmarbeit, Fischerei oder Mienenarbeit in ausgewiesenen Regionen in Australien nachweisen (was meistens im Nirgendwo ist). Diese Jobs sind hart (was einer der Gründe ist, warum dafür keine Australier gefunden werden). Man steht früh auf, arbeitet acht oder mehr Stunden und nach der Arbeit fällt man nur noch ins Bett. Und das häufig sogar sieben Tage die Woche. Nicht, dass ich harte Arbeit scheue, aber mitunter wird das dann noch nicht mal angemessen bezahlt.

  1. Nicht gerade der sicherste Ort zum Arbeiten

Wenn man nicht irgendwann an Überlastung stirbt, besteht bei Farmarbeit immer die Möglichkeit von Schlangen oder anderen giftigen Tieren gebissen zu werden. Ich weiß, am Ende unseres Lebens sterben wir alle, aber das Ende würde ich dann doch noch ganz gerne hinauszögern.

  1. Farmarbeit kann gesundheitliche Folgen haben

Alles, was vom Boden aufgesammelt werden muss, ist schlecht für den Rücken. Pflückt man Bananen kann man schon mal auf Schlangen oder Spinnen treffen und die Mangoernte lässt einen mit einem heftigen Ausschlag zurück. Insbesondere letzteres klingt nach etwas, was ich nicht unbedingt haben möchte. Losgeht es mit rotem, juckendem Ausschlag, der sich dann verhärtet und Blasen bildet (ähhhmm…Nein, danke!).

  1. Man lebt mitunter recht isoliert

Irgendwo im Nirgendwo leben, Australier, die man aufgrund ihres Akzents kaum versteht und keinen Kontakt zur Außenwelt aufgrund fehlender Internet- oder Mobile-Anbindung… das kann alles Teil der „echten australischen Erfahrung“ sein… oder halt schnell sehr einsam werden. Und so gerne ich auch ab und an mal alleine bin, glaube ich, dass ich nach zwei, drei Wochen mein Maximum erreicht hätte und wieder unter Menschen will.

  1. Einige Hostels versprechen viel, halten aber nichts

Mitunter gibt es ein paar Hostels, die damit werben, Farmarbeit vermitteln zu können. Wenn man dann aber den Weg dort hin gemacht hat, dauert es Tage oder gar Wochen (wenn man solange bleibt), bis man wirklich was hat. Oder es werden einem erst drei Wochen Arbeit versprochen und wenn man da ist, dann heißt es doch nur eine. Am Ende ködern sie einen also, nehmen das Geld für die Unterkunft, während man selbst darauf wartet endlich arbeiten zu können.

  1. Es ist schwer 88 Tage Arbeit am Stück zu finden

Insbesondere jetzt über die Wintermonate war es recht schwer, durchgängige Arbeit zu finden. Einer Freundin von mir wurden zuerst drei Wochen versprochen. Als sie dann aber den Weg von Townsville runter nach Bundaberg gemacht hat, hatten sie nur eine Woche Arbeit, so dass sie nach einer Woche zu einer anderen Farm in die Nähe von Cairns und dann weiter zu einer anderen nach Perth ist. Das ist quasi einmal die australische Ostküste bis zur Mitte runter, dann wieder bis ganz nach oben rauf und dann einmal quer über Australien zum südwestlichsten Punkt. Was immer sie an Geld auch bei der Farmarbeit verdient hatte, ging also für Transport schon wieder drauf. Das kann jetzt in den Sommermonaten natürlich auch anders aussehen, aber wirkt dann doch ein bisschen so, als wäre es den Farmen komplett egal, wer die Arbeit macht, solange sie irgendwer tut (und da gibt es ja genügend, die unbedingt ihr zweites Jahr wollen).

  1. Das Wetter ist nicht auf meiner Seite

Während der Wintermonate war vermutlich das perfekte Wetter hier oben in Queensland, um tatsächlich Farmarbeit zu leisten. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Einfach nur perfekt, um Obst oder Gemüse zu sammeln. Jeder wusste das, außer das Obst und das Gemüse selbst. Diese haben ihre Hochsaison natürlich im australischen Sommer. Somit hätte ich runter in die Kälte gemusst (und wir alle wissen, dass das nicht passiert) oder ich müsste es jetzt machen, wo das Wetter gerade täglich heißer und schwüler wird (und da verzichte ich dann doch lieber).

Und ja das klingt halt alles irgendwie so, als wäre es ein viel zu großer Aufwand und so als würde man drei Monate seines ersten Jahres verschwenden. Letztlich müsste man sich fürs zweite dann ja weiterhin überlegen, wie man seine Zeit verbringt und Geld verdient. Und wenn ich wirklich in Australien bleiben würde wollen, dann würde ich vermutlich mehr Chancen haben, in dem Bereich zu arbeiten für den ich auch studiert habe und darüber ein Sponsorship zu bekommen. Aber es war nie meine Absicht hier zu bleiben und so langsam bin ich auch bereit zurück zu kommen, meine Familie und Freunde zu sehen und dann zu schauen, was die Zukunft so bringt.

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