Warum reisen nicht teuer sein muss

„Wenn Reisen kostenlos wäre, würdet ihr mich nicht mehr wieder sehen“. Das ist, was die meisten Backpacker sagen. Aber Reisen ist natürlich nicht kostenlos (und wird es vermutlich auch nie sein), aber gleichzeitig muss es auch nicht teuer sein. In den letzten sieben Monaten habe ich insgesamt ungefähr 8400 EUR ausgegeben. Die vier Monate mit meinen Schwestern (nicht, dass ich sie dafür verantwortlich mache ;)), haben davon bereits 7100 EUR ausgemacht. Heißt, ich habe lediglich 1300 EUR in den drei Monaten ausgeben, die ich alleine unterwegs war. Somit ein bisschen mehr als 400 EUR pro Monat (was nicht mal halb soviel ist, wie ich alleine an Miete pro Monat in Hamburg zahlen). An der Stelle ist es vermutlich fair zu erwähnen, dass ich auch nicht unbedingt den teuersten Lebensstil habe. Ich trinke kaum, muss nicht jeden Abend auswärts essen (manchmal muss ich sogar gar nicht essen ;)) und das meiste was ich mag, ist kostenlos (Sonne, Strand, Sport). Mein einziges Laster – wenn man es so nennen will – sind Smoothies, aber auch dafür hab ich mir mittlerweile eine eigene Maschine gekauft. Aber das ist es dann auch schon.

Somit hier die Gründe, warum Reisen nicht teuer sein muss:

1.Wer langsam reist, spart Geld für Transport

Ein hoher Kostenfaktor beim Reisen ist Transport. Flug, Bus, Bahn, Auto, all das ist schlecht fürs Budget. Wer soviel, wie möglich, in so wenig Zeit, wie nötig sehen will, wird darum nicht drum rumkommen. Wer aber nicht in Eile ist (und das sollte ihr ja nicht sein, wenn ihr das für den Rest eures Lebens machen wollt ;)), dem sei langsames Reisen angeraten. Dies gibt euch nicht nur die Chance, den Ort und die Leute auch tatsächlich kennenzulernen, sondern auch auf das Richtige „Angebot“ zu warten, um weiter zu reisen. Vielleicht trefft ihr jemanden, der in die gleiche Richtung will, vielleicht bekommt ihr Insider-Tipps für den günstigsten Bus oder die günstigste Bahn oder ihr findet ein Auto, was zum nächsten Ort überführt werden sollen. Im schlimmsten Fall, könnt ihr immer noch Trampen und sehen, wo ihr landet (in manchen Ländern könnte das das Leichenschauhaus sein, seid also vorsichtig mit der Option ;)).

2. Während des Reisens kann Geld für Unterkunft gespart werden

Das zweitteuerste am Reisen, ist vermutlich die Unterkunft. Aber das wäre vermutlich etwas, was man zuhause eh hätte. Das Gute am Reisen: Während man zuhause an Miete oder Tilgungsraten gebunden ist, kann man während des Reisens Geld für Unterkunft sparen, indem man:

  • für Essen und Unterkunft arbeitet, was meistens um die 20 bis 25 Stunden pro Woche bedeutet. Manche „Work Exchanger“ erwarten auch mehr Stunden, je nach Lage und Räumlichkeiten. Ob man aber abgezogen wird, kann man sich relativ einfach ausrechnen: Angenommen man wird für die 20 Stunden tatsächlich bezahlt und erhält einen fairen Stundenlohn von 20 AUD, summiert sich das zu 400 AUD die Woche. Das geteilt durch 7 (für die sieben Tage, die man dort wohnt und isst) ergibt einen Tagespreis von 57 AUD. Wenn das etwas ist, womit du leben kannst, dann mach es. Wenn du das Gefühl hast, woanders günstiger zu essen und zu wohnen, dann geh da hin.
  • nur für Unterkunft arbeiten. Das sollte vermutlich nicht mehr als 14 Stunden die Woche sein. Häufig wird es von Hostels angeboten, was die Rechnung somit noch einfacher macht. Mal angenommen, das günstigste Bett ist für 25 AUD/Tag bzw. 150 AUD/ Woche zu haben. Bei einem Stundenlohn von 20 AUD, sollten das damit nicht mehr als 8 Stunden pro Woche sein. Wenn doch, dann ist der Studenlohn halt entsprechend geringer und ihr müsst entscheiden, ob ihr dafür dann arbeiten wollt.
  • bei Freunden übernachtet. Das ist das Gute am Reisen. Ihr trefft eine Menge Leute, von überall auf der Welt. Warum also nicht bei ihnen übernachten und den Gefallen zurückzahlen, wenn diese sich in eurer „Homebase“ befinden.
  • Couch surft. Für den kulturellen Austausch bieten einige Einheimische Reisenden einen kostenlosen Schlafplatz an. Soweit ich gehört habe, ist es einfacher für Frauen einen zu finden. Ob das aber daran liegt, dass Frauen sich meistens wohler fühlen, wenn sie Frauen zu sich einladen, während Männer darauf hoffen, jemanden übernachten zu lassen, mit dem sie das eigene Bett teilen können oder daran, dass Frauen als ordentlicher gelten, ist abschließend nicht ganz geklärt (wer schon mal einen Blick in ein Frauenzimmer geworfen hat, wird die Antwort vermutlich kennen ;)).

3. Essen und Getränke müssen nicht teuer sein

Wenn man bereits für Verpflegung und Unterkunft arbeitet, hat man die meisten Kosten bereits abgedeckt. Ab und an gibt man dann sicher nochmal was für Eis, Kekse oder Alkohol aus, aber ansonsten hat man kaum weitere Kosten.

Wer nicht für Verpflegung arbeitet, kann aber dennoch zumindest bei Getränken  Geld einsparen. Dank der Australischen Regierung findet man Trinkwasser fast an jeder Ecke. Das gilt natürlich nicht für alle Länder (insbesondere wir in EURpa hätten da noch Nachholbedarf), aber selbst in Guatemala war kostenloses Trinkwasser verfügbar. Wenn man also kein Problem hat, ständig Wasser zu trinken, kommt ohne große Ausgaben über die Runden (Zitrone oder Ingwer im Wasser sorgt dann auch für die nötige Abwechslung). Und wer sich dann mal ein Softdrink oder Alkohol genehmigt, kann das ruhig. Schließlich hat man ja die meiste andere Zeit ordentlich eingespart (ich werde niemanden empfehlen, komplett auf Alkohol zu verzichten – auch wenn es insbesondere hier in Australien richtig teuer ist -, schließlich heißt die Überschrift, warum Reisen nicht teuer sein muss. Wie günstig Reisen aber dann tatsächlich ist, ist euer Bier  <- immer diese platten Wortwitze ;)).

Ein weiterer Vorteil am Reisen: Ihr könnt immer einen Blick in die Free-Foodregale werfen. Meistens versteckt sich dort was leckeres.

4. Man(n) braucht so gut wie keine Drogerieartikel

Wer reist, braucht kein Toilettenpapier und keine Reinigungsmittel, da alles bereits von den Hostels abgedeckt wird (inkl. des Putzen yeahhi). Die einzigen Dinge, die man also braucht, sind Shampoo, Duschbad, Zahnpasta und ggbfs. Styling Gel und Sonnencreme. Wen man mich fragt, dann sogar nur Zahnpasta, weil man alles andere mit Glück in den Hostels findet. Und wenn nicht, wird man ohne aber auch überleben. Also nicht falsch verstehen, ich sage nicht, dass man gar kein Duschgel oder Shampoo mehr verwenden soll, aber man muss es vermutlich nicht ständig, weil sowohl der Körper als auch die Haare wunderbar ohne auskommen (es sei denn ihr riecht, dann bitte unbedingt Geld in Duschgel und Deo investieren).

(4,5. Frauen brauchen weniger Kosmetik

Da ich ja zwei Schwestern habe, weiß ich, wie viele Kosmetik-Artikel eine Frau haben kann (und meine halte sich vermutlich noch zurück), aber beim Reisen fangen sie dann auch an, nur das nötigste mitzunehmen und generell weniger zu verwenden. Ob sie das tun, weil sie das ganze Zeug ja auch noch schleppen müssen oder weil sie einfach eingesehen haben, dass es sich meistens nicht lohnt, wenn sie 100 Meter weiter schon wieder in den Pool springen, sei mal dahingestellt. Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem.

5. Man braucht nicht jede Woche Wäsche waschen

Wer ständig in der Sonne und im Wasser ist (mal angenommen ihr folgt der Sonne und dem gutem Wetter, so wie ich), der braucht an manchen Tagen nicht mehr als seinen Bikini oder seine Badeshorts. Somit dauert es deutlich länger, bis man genügend Wäsche zum Waschen zusammen hat. Während meiner Zeit im Beach Resort in Byron Bay hatte ich häufig das Problem, dass meine Boardshorts gerne gewaschen werden wollten, während ich aber kaum andere Sachen hatten, damit sich eine Wäsche überhaupt lohnt (ich weiß, will keiner hören ;)).

Auch wird man beim Reisen feststellen, dass man nicht jeden Tag ein neues T-Shirt braucht (manchmal braucht man ja noch nicht mal Unterwäsche, aber das Thema hatten wir schon ;)), sondern es durchaus auch ein paar Tage länger tragen kann. Als ich in Guatemala ein Haus gebaut habe, hatte ich mir vorher um die 15 T-Shirts eingepackt, die ich alle noch ein letztes Mal tragen und dann zurücklassen wollte. Keinen Tag auf der Baustelle hab ich dann aber bereits eingesehen, dass ein neues T-Shirt eh innerhalb kurzer Zeit dreckig werden würde und es somit keinen Sinn macht, sein T-Shirt jeden Tag zu wechseln, solange es nicht riecht. Somit kam ich wieder mit einigen ungetragenen T-Shirts zurück und auch Nadi hat es geschafft, zwei Monate Australien zu bereisen, ohne jemals eine Waschmaschine zu bedienen, von einer kurzen Handwäsche mal abgesehen (das ist dann vermutlich der Vorteil, wenn man direkt mit 23 Kilo anreist).

6. Wer reist, braucht seltener neue Kleidung

Nachdem wir alle eingesehen haben, dass man Sachen auch mal länger als einen Tag tragen kann (es sei denn sie riechen), werdet ihr mir bestimmt auch zustimmen, dass man deutlich weniger Kleidung kauft. Zum einen, da diese ja auch immer in das Reisegepäck passen müssen und zum anderen kein wirklicher Grund besteht. Während wir zuhause immer wieder neue Kleidung kaufen, damit unsere Mitmenschen nicht den Eindruck gewinnen, dass wir ständig das gleiche tragen, brauchen wir uns auf Reisen darüber keine Gedanken zu machen, da wir ja ständig neue Leute sehen und für diese somit immer „neue“ Kleidung tragen.

Von daher habe ich mir über die letzten sieben Jahre genau:

  • ein paar neue Schuhe gekauft, nachdem meine alten beim Arbeiten kaputt gegangen waren (hätten aber eh nicht mehr lange durchgehalten)
  • zwei Paar Flipflops
  • vier Boardshorts (ich weiß, das will keiner hören, aber wer Temperaturen um die 27/28 Grad verfolgt, braucht halt nicht mehr als das)
  • zwei neue Sonnenbrillen, weil ich es immer wieder geschafft hab Kratzer zu verursachen
  • zwei neue T-Shirts nachdem ich es einmal nicht geschafft habe, Wäsche zu machen (zwei Tage später habe ich zwei alte Shirts aber auch schon an Leute verkauft, die ohne ein ordentliches Shirt nicht in einen Club gekommen wären…von daher ist das ausgeglichen)

7. Ihr braucht kein Geld für Medikamente ausgeben

Auch wer das gute Wetter verfolgt, wird ggbfs. mindestens einmal im Jahr krank. Anstatt sich aber wie zuhause mit Medikamenten vollzupumpen, damit man schnell wieder zur Arbeit gehen kann, kann man sich auf Reisen die Zeit nehmen, um sich auszukurieren. Grundsätzlich ist unser Körper schon in der Lage Erkältungen auch ohne Medikamente zu bekämpfen, wir geben ihm meistens nur nicht die Ruhe und Zeit (vermutlich, weil wir sie im „wirklichen“ Leben nicht haben).

Das sind mehr oder weniger die Gründe, warum Reisen für mich nicht teuer sein muss (oder es über die letzten Monate nicht war). Letztlich ist es halt auch immer eine Gegenüberstellung dessen, was man zuhause ausgeben würde und was man auf Reisen ausgibt und wenn man es so wie ich macht, dann stellt man fest, dass man sogar günstiger bei wegkommt.

Lass dich über neue Beiträge benachrichtigen

Deine E-Mail Adresse wird lediglich dafür verwendet dich über neue Beiträge zu informieren. Falls du das irgendwann nicht mehr möchtest, findest du in jeder Mail einen Abmelde-Link.

And then came you – Jetzt auf amazon erhältlich


And then came you

Neue Beiträge

Schreibe den ersten Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.